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Saunaarten

Textilsauna: Was sie ist, welche Temperaturen herrschen und wo es sie gibt

Textilsauna bedeutet saunieren in Badebekleidung. Was das technisch bedeutet, welche Temperaturen üblich sind und wo Textilsaunen in D, AT und CH zu finden sind.

Temperatur
60–80 °C
Luftfeuchte
15–35 %
Holzinnenraum einer Textilsauna mit Bänken und Saunaofen

Was ist eine Textilsauna?

Die Textilsauna ist keine eigene Saunaform im technischen Sinne, sondern eine Nutzungsregel: Besucher schwitzen in Badebekleidung statt nackt. In der traditionellen finnischen Sauna – und in deutschen Saunaanlagen weitgehend üblich – gilt Nacktheit als Hygienenorm; Badebekleidung ist dort oft ausdrücklich untersagt. Die Textilsauna dreht dieses Regelwerk um oder hebt es auf.

Temperaturen liegen in der Regel zwischen 60 und 80 °C, also etwas unter dem Niveau klassischer Aufgusskabinen (80–100 °C). Das erleichtert längere Aufenthalte und spricht Menschen an, die die Sauna selten nutzen oder Hitze weniger gut vertragen.

Kulturelle Einordnung

In vielen Ländern außerhalb Deutschlands und Österreichs – etwa in Großbritannien, den Niederlanden, Frankreich oder den meisten asiatischen Ländern – ist Badebekleidung in öffentlichen Saunen Standard, nicht Ausnahme. In Deutschland hat sich die Textilsauna zuletzt als ergänzendes Angebot etabliert: als permanente Einheit in Thermen oder als ausgewiesene Textiltage in klassischen Saunalandschaften, an denen die Normalregel ausgesetzt wird.


Wo Textilsaunen zu finden sind

Deutschland

Das Angebot ist regional ungleich verteilt; Nordrhein-Westfalen und Bayern haben die meisten Standorte:

  • Therme Erding (Bayern): niedrigtemperierte Textilsauna im „Blüten-Pavillon”, ca. 65 °C
  • Berghotel Rehlegg (Bayern): Außen-Textilsauna bei 70 °C
  • Geomaris Gerolzhofen: permanente Textilsauna, ganzjährig geöffnet
  • nettebad Osnabrück: Textilsaunadorf mit drei Schwitzhütten (65 bis 90 °C)
  • Stadtbad Braunschweig: Textilsaunarium bei 60 °C
  • Hase Bad Bramsche: Textilsauna bei 60 °C
  • SchwabenQuellen Stuttgart: Textiltage jeden ersten Samstag im Monat
  • Aqualon Therme Bad Säckingen: Textilsauna im Thermenbereich
  • Katzenbuckel Therme (Baden-Württemberg): Textilsauna bei 60 °C

Österreich

  • Allegria Stegersbach (Burgenland): Familiensauna, Kinder in Badebekleidung erlaubt
  • Therme Laa (Niederösterreich): Familien-Textilsauna für Kinder unter 14 Jahren
  • Tauern Spa Zell am See/Kaprun (Tirol): Textilsauna neben Nacktbadebereich
  • Wartherhof (Vorarlberg): milde Bio-Textilsauna

Schweiz

In der Schweiz ist Badebekleidung in Saunen häufiger toleriert als in Deutschland. Größere Einrichtungen wie das Aquabasilea bei Pratteln oder die Therme Zürich bieten Saunabereiche an, die in Badekleidung zugänglich sind.


Bekleidung und Hygiene

Geeignete Materialien

Für die Textilsauna eignen sich Stoffe, die Feuchtigkeit aufnehmen und schnell trocknen: leichte Baumwolle, Mikrofaser oder atmungsaktiver Funktionsstoff aus Polyester. Enge synthetische Sportkleidung leitet Schweiß schlechter ab. Bademode aus Polyamid ist in den meisten Einrichtungen akzeptiert; Unterhemd und Shorts aus Baumwolle funktionieren ebenso.

Nach dem Besuch sollte die Kleidung bei mindestens 40 °C gewaschen werden. Weichspüler reduziert die Saugfähigkeit der Fasern und ist zu vermeiden.

Hygieneregeln

Die Grundregeln entsprechen denen jeder Sauna:

  • Vor dem Betreten duschen.
  • Ein Handtuch auf der Sitzfläche auflegen – auch bei bekleideter Nutzung.
  • Kleidung nach jedem Besuch wechseln und waschen.

Badebekleidung reduziert den direkten Hautkontakt mit den Holzbänken. Sie schafft aber zugleich eine feuchte Textilschicht, die bei unzureichender Pflege Keime begünstigt. Das Hygieneargument zugunsten der Textilsauna gilt daher nur bei konsequenter Kleidungspflege.


Gesundheitliche Wirkungen

Die physiologische Wirkung entspricht der jeder anderen Sauna im gleichen Temperaturbereich. Wärme führt zu Gefäßerweiterung, erhöhter Schweißproduktion und gesteigerter Herzfrequenz; der Körper trainiert seine Thermoregulation. Die niedrigeren Temperaturen (60–80 °C) verlängern die typische Verweildauer, was bei gleichem subjektivem Komfort eine längere Gesamtexposition erlaubt.

Mehrere finnische Kohortenstudien zeigen Zusammenhänge zwischen regelmäßigem Saunieren und verbesserter Herz-Kreislauf-Funktion sowie geringerem Erkältungsrisiko. Diese Daten beziehen sich auf klassische Saunanutzer; eine spezifische gesundheitliche Überlegenheit der Textilsauna gegenüber anderen Saunaformen im gleichen Temperaturbereich ist nicht belegt. Der Unterschied liegt in der Zugangsschwelle, nicht in der Physiologie.

Personen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen sollten vor regelmäßigem Saunieren ärztlichen Rat einholen – unabhängig davon, ob Textilsauna oder Nacktbetrieb.

Häufige Fragen

Was unterscheidet eine Textilsauna von einer normalen Sauna? +

In der Textilsauna ist Badebekleidung erlaubt oder vorgeschrieben; in der traditionellen Sauna gilt Nacktheit als Norm. Temperatur und physiologische Wirkung können identisch sein – der Unterschied liegt in der Nutzungsregel, nicht in der Technik.

Welche Temperaturen herrschen in einer Textilsauna? +

Üblich sind 60 bis 80 °C, also etwas niedriger als in klassischen Aufgusskabinen mit 80 bis 100 °C. Das ermöglicht längere Aufenthalte, besonders für weniger hitzegewohnte Besucher.

Was zieht man in der Textilsauna an? +

Bademode aus Baumwolle oder schnell trocknendem Funktionsstoff. Weiche Nylon-Badeanzüge sind in den meisten Einrichtungen akzeptiert. Ein Handtuch als Unterlage auf der Sitzfläche ist trotzdem Pflicht.

Ist die Textilsauna hygienischer als die Nackt-Sauna? +

Nicht automatisch. Kleidung reduziert den direkten Hautkontakt mit Holzflächen, muss aber nach jedem Besuch bei mindestens 40 °C gewaschen werden. Wird das vernachlässigt, entstehen neue Hygienepunkte statt weniger.

Sind Textilsaunen für Kinder geeignet? +

Viele Einrichtungen erlauben Kindern ab etwa 6 Jahren den Eintritt in Badebekleidung. Für Kleinkinder unter 3 Jahren ist Saunieren generell nicht empfohlen.