Saunaarten
Sauna in Japan: Geschichte, Totonou und der Sauna-Boom
Sauna in Japan reicht von alten Dampfbädern bis zum modernen Totonou-Boom. Wie japanische Saunen aufgebaut sind und welche Rituale gelten.
- Temperatur
- 90–110 °C
- Luftfeuchte
- 5–15 %
Sauna gehört in Japan seit den 2010er Jahren zur Alltagskultur. Der Anstoß war literarisch: Der Manga „Sauna-ikitai” (サ道, ab 2016) popularisierte das Konzept des Totonou und verwandelte einen Nischenmarkt in einen landesweiten Boom. Dahinter steht eine Badekultur, die Jahrhunderte älter ist.
Historische Wurzeln: Mushiburo, Sento und Onsen
Das älteste japanische Heizbad ist das Mushiburo (蒸し風呂), ein Steindampfbad mit Temperaturen um 40 bis 50 °C und hoher Luftfeuchtigkeit. Es entstand in buddhistischen Tempeln, wo Reinigung rituellen Charakter hatte. Im Edo-Zeitalter (17. bis 19. Jahrhundert) übernahm das Sento (銭湯), das städtische Badehaus, die Funktion des allgemeinen Treffpunkts. Heiße Quellen (Onsen, 温泉) blieben als Reiseziel wichtig, waren aber kein städtischer Alltag.
Trockene Saunen nach skandinavischem Muster kamen nach 1945 durch westliche Einflüsse nach Japan. Zunächst nur in Hotels und Sportstätten, wurden sie ab den 1980er Jahren ein fester Bestandteil vieler Sento-Anlagen.
Totonou: Das Prinzip hinter dem Boom
Das Schlagwort Totonou (ととのう, „sich ausrichten”) bezeichnet einen Zustand, der durch mehrfachen Wechsel aus drei Phasen entstehen soll:
- Sauna bei 90 bis 110 °C, 8 bis 12 Minuten
- Kaltbad (Mizuburo, 水風呂) bei 14 bis 17 °C, 1 bis 2 Minuten
- Außenruhe (Gaiki, 外気浴), sitzend im Freien, 5 bis 10 Minuten
Empfohlen werden drei Durchgänge. Das Gefühl tritt typischerweise beim dritten Zyklus auf: ein Kribbeln, Schwere in den Gliedern, verlangsamter Herzschlag. Erklärt wird es mit der raschen Umverteilung des Blutflusses nach dem Kaltbad. Eine klinische Standardisierung des Begriffs gibt es nicht.
Die Fernsehserie zu „Sauna-ikitai” (2019) machte Totonou einem Massenpublikum bekannt. Seitdem sind eigenständige Sauna-Bars in japanischen Großstädten stark gewachsen.
Ausstattung und bauliche Merkmale
Japanische Sauna-Anlagen folgen einem erkennbaren Schema:
- Temperatur: 90 bis 110 °C; TV-Bildschirme in der Kabine sind verbreitet und gelten in Japan nicht als Ablenkung, sondern als Standard
- Iki (イキ): Aufguss mit kleinen Wassergaben auf die Steine; seltener und weniger ritualisiert als in Deutschland
- Mizuburo: Kaltbad als fester Bestandteil jeder Anlage; Temperaturen unter 10 °C gelten als außergewöhnlich und werden entsprechend beworben
- Gaiki-Bereich: Freisitz für die Ruhephase, oft überdacht
- Materialien: Holz, häufig Hinoki-Zypresse (檜), die ein harzig-frisches Aroma abgibt; Naturstein für die Ofen-Einfassung
Geschlechtertrennung ist Standard. Gemischtgeschlechtliche Konzept-Saunen existieren, sind aber die Ausnahme.
Verhaltensregeln und soziale Normen
Das Schweigen in der Sauna ist in Japan stärker normiert als in Skandinavien oder Deutschland. Gespräche während des Saunagangs gelten vielerorts als störend; viele Anlagen weisen per Aushang darauf hin. Die soziale Interaktion verlagert sich in den Gaiki-Bereich und den Ruheraum. Mobiltelefone sind in Sauna, Umkleide- und Badebereichen durchgehend verboten; Fotografieren ist tabu.
Der Körper muss vor dem Eintritt ins Mizuburo abgetrocknet werden, damit das Wasser nicht durch Schweiß verunreinigt wird. Tätowierungen führen in traditionellen Sento-Anlagen häufig zum Einlassverbot, in neueren Konzept-Saunen dagegen seltener.