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Onsen: Japanische Thermalquellen – Wirkung, Etikette und Regionen
Natürliche Thermalquellen aus Japans vulkanischen Quellen. Was Onsen von Sento unterscheidet, welche Etikette gilt und was das mineralreiche Wasser bewirkt.
- Temperatur
- 38–44 °C
- Luftfeuchte
- 80–100 %
Was ist ein Onsen?
Onsen (温泉) sind natürliche Thermalquellen vulkanischen Ursprungs. Das japanische Onsen-Gesetz von 1948 legt zwei Bedingungen fest: Das Quellwasser muss entweder eine Mindesttemperatur von 25 °C aufweisen oder mindestens eine von 19 definierten Mineralien in bestimmter Konzentration enthalten. Fehlen beide Kriterien, darf eine Anlage den Begriff Onsen rechtlich nicht verwenden.
Vom Sento – dem klassischen Stadtbadehaus mit aufbereitetem Leitungswasser – unterscheidet sich das Onsen durch den natürlichen Mineralgehalt und die Lage: Onsen befinden sich überwiegend in vulkanisch aktiven Gebirgsregionen, an geothermisch aktiven Küstenabschnitten oder in Waldgebieten.
Wassertypen
Das Umweltministerium klassifiziert Onsen-Wasser in zehn Kategorien. Die häufigsten:
- Schwefelhaltiges Wasser (硫黄泉): charakteristischer Geruch, antiseptische Eigenschaften, wird bei Hauterkrankungen therapeutisch eingesetzt
- Natriumchloridhaltiges Wasser (塩化物泉): wärmt tief durch, die Wärme hält nach dem Baden länger an
- Eisenhaltiges Wasser (含鉄泉): oxidiert an der Luft rötlich-braun, enthält zwei- oder dreiwertiges Eisen
- Einfaches Thermalwasser (単純温泉): geringer Mineralgehalt, mild, für Erstbesucher und empfindliche Haut geeignet
Beckenformen
Innenbecken (内湯, Uchiyu) liegen in geschlossenen Räumen und halten eine gleichmäßige Temperatur. Außenbecken (露天風呂, Rotenburo) sind die bekanntere Form; das Becken liegt im Freien, oft mit Blick auf Berge, Wald oder Küste. Im Winter gilt der Kontrast zwischen heißem Wasser und kalter Außenluft als besonderes Merkmal dieser Badeform. Daneben gibt es Fußbäder (足湯, Ashiyu) zur kurzen Erfrischung, Sandbäder (砂むし, Sunamushi) in Ibusuki sowie Schlammbäder mit mineralreichem Bodensediment in Beppu.
Etikette
Onsen folgen einem stillen Regelwerk, das von japanischen Gästen als selbstverständlich vorausgesetzt wird. Für Erstbesucher gilt es, dieses im Vorfeld zu kennen.
Vorbereitung: Duschen und vollständiges Waschen sind vor dem Einstieg ins Becken Pflicht. Die Waschmöglichkeiten – Hocker, Duschbrause, Seife – befinden sich im Umkleidebereich oder in einem separaten Waschraum.
Im Becken: Handtücher kommen nicht ins Wasser; ein kleines Tuch legt man gefaltet auf den Kopf oder am Beckenrand ab. Schwimmen, Tauchen und laute Gespräche sind unüblich. Mobiltelefone bleiben im Umkleidebereich.
Tätowierungen: Vor dem Besuch die Hausregeln des jeweiligen Onsen prüfen. Wer Tätowierungen hat, findet mit buchbaren Privatbecken (貸切風呂, Kashikiri Buro) eine geeignete Alternative.
Kleidung: Traditionelle Onsen verlangen Nacktbaden. Konyoku-Bereiche (混浴), in denen Männer und Frauen gemeinsam baden, sind selten; dort ist leichte Badebekleidung üblich.
Ryokan: Viele Onsen-Dörfer haben klassische Gasthäuser (旅館, Ryokan), die eigene Bäder betreiben. Gäste erhalten häufig einen Yukata – einen leichten Baumwollkimono – für den Aufenthalt im Haus und den Gang zu den öffentlichen Außenbädern des Ortes.
Bekannte Onsen-Regionen
Japan verzeichnet über 3.000 Onsen-Orte. Einige Regionen sind durch Wasserqualität, Infrastruktur oder Geschichte besonders bekannt:
Kusatsu (Gunma): Stark saures, schwefelhaltiges Wasser mit einem pH-Wert um 2. Das Wahrzeichen ist die Yubatake – ein Holzgitter, über das das heiße Quellwasser zur Abkühlung geleitet wird.
Beppu (Ōita, Kyushu): Höchste Quellendichte Japans mit über 2.000 Einzelquellen. Neben Badebecken gibt es die sogenannten „Höllen” (地獄, Jigoku) – farbige Kochquellen zwischen 50 und 99 °C, die nicht zum Baden genutzt werden, aber besichtigt werden können.
Hakone (Kanagawa): Nahe dem Großraum Tokio, mit Sichtachse auf den Fuji. Das Angebot reicht von einfachen Tagesbädern bis zu Ryokan mit privatem Außenbecken direkt am Zimmer.
Noboribetsu (Hokkaidō): Elf verschiedene Quelltypen an einem Ort, darunter das schwefelhaltige Jigokudani mit aktiven Fumarolen und sichtbarem Dampfaustritt aus dem Boden.
Kinosaki (Hyōgo): Sieben öffentliche Badehäuser (外湯, Sotoyu) im Ortskern. Ryokan-Gäste besuchen diese in Yukata und Holzgeta – ein für die Region charakteristisches Bild.
Atami (Shizuoka): Küstennahe Lage, seit der Edo-Zeit als Onsen-Ort bekannt, heute mit moderner Hotelinfrastruktur und gutem Bahnanschluss aus Tokio.
Gesundheitliche Wirkung
Onsen-Baden wird in Japan als Balneotherapie (温泉療法, Onsen-Ryōhō) eingesetzt und ist Bestandteil der medizinischen Ausbildung. Einige japanische und internationale Studien deuten auf Effekte bei muskuloskelettalen Beschwerden, bestimmten Hauterkrankungen und Stressreduktion hin; die Studienqualität variiert jedoch stark, und für viele volksmedizinisch verbreitete Wirkungen fehlen kontrollierte klinische Belege.
Physiologisch belegt ist: Wasser mit 38–42 °C senkt den Muskeltonus, fördert die periphere Durchblutung und senkt kurzzeitig den Blutdruck. Bei Temperaturen über 42 °C steigt die Herzbelastung deutlich; längere Bäder bei höheren Temperaturen sind für Kreislaufempfindliche ungeeignet.
In der japanischen Kurmedizin werden Onsen bei folgenden Beschwerden diskutiert: Arthrosen, Fibromyalgie, Psoriasis und chronischen Erschöpfungssyndromen. Wer Onsen therapeutisch, also regelmäßig und bei bestehenden Erkrankungen, nutzen möchte, sollte dies vorher ärztlich abklären.