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Gesundheit · 5 Min Lesezeit

Saunieren gegen Stress – Wirkung und Tipps für Anfänger

Wie Hitze den Cortisolspiegel senkt, welche Saunatypen für Einsteiger geeignet sind und worauf Sie beim ersten Saunagang achten sollten.

Holzsauna von innen mit Licht und Holzbank

Saunieren wirkt auf mehreren physiologischen Ebenen gleichzeitig. Was sich zunächst nach einfachem Schwitzen anfühlt, löst eine Kaskade hormoneller und neurologischer Reaktionen aus, die Stress nachweislich reduzieren – wenn der Körper an die Belastung gewöhnt ist und die Grundregeln eingehalten werden.

Wie Saunieren auf Stresshormone wirkt

Cortisol, das primäre Stresshormon, steigt beim Saunagang kurzfristig an, fällt aber in der Abkühlphase und den Stunden danach deutlich unter den Ausgangswert. Parallel dazu schüttet der Körper Beta-Endorphine aus – körpereigene Peptide, die Schmerzen dämpfen und das Wohlbefinden steigern.

Entscheidend für den Stressabbau ist die Verschiebung im autonomen Nervensystem: Regelmäßiges Saunieren stärkt den Parasympathikus, also den Ruhezustand des Nervensystems. Finnische Langzeitstudien, darunter Erhebungen aus der Kuopio-Kohorte, zeigen, dass mehrfaches wöchentliches Saunieren mit niedrigeren Ruheherzfrequenzen und selbst wahrgenommenem Stress korreliert. Dieser Effekt entsteht nicht nach einem einzelnen Gang, sondern nach Wochen regelmäßiger Nutzung.

Saunatypen für Einsteiger

Finnische Sauna

Die klassische Variante arbeitet mit 80 bis 100 °C bei geringer Luftfeuchtigkeit (10–20 %). Ein Aufguss hebt die Luftfeuchtigkeit kurz auf 40–60 % und verstärkt die wahrgenommene Hitze erheblich. Für Einsteiger gilt: untere Lage wählen, Temperatur am Ofen auf die niedrigere Einstellung, und den ersten Gang kurz halten.

Infrarotsauna

Infrarotsaunen strahlen Wärme direkt auf die Haut, statt die Luft zu erhitzen. Typische Kabinentemperaturen liegen bei 45 bis 60 °C. Der Körper schwitzt trotzdem vergleichbar, die Kreislaufbelastung ist geringer. Wer Hitze schlecht verträgt oder nach einer längeren Pause wieder einsteigt, findet hier einen schonenderen Einstieg.

Biosauna

Die Biosauna kombiniert höhere Luftfeuchtigkeit (40–60 %) mit Temperaturen um 45 bis 60 °C. Die Wärme wirkt milder als bei der finnischen Sauna, der Aufenthalt fühlt sich weniger intensiv an. Gut geeignet, wenn die trockene Hitze der klassischen Sauna als unangenehm empfunden wird.

Gesundheitliche Wirkungen im Überblick

Herz-Kreislauf: Hitze erweitert die Blutgefäße und erhöht die Herzfrequenz auf Werte, die leichtem Ausdauertraining ähneln. Studien zeigen Zusammenhänge zwischen regelmäßigem Saunieren und niedrigeren Blutdruckwerten sowie einem reduzierten kardiovaskulären Risiko. Das bedeutet nicht, dass die Sauna eine ärztlich verordnete Therapie ersetzen kann – bei bekannten Herzerkrankungen ist Rücksprache mit einem Arzt erforderlich.

Immunsystem: Wiederholte Hitzereize regen die Produktion von Heat-Shock-Proteinen an und scheinen die unspezifische Immunabwehr zu stärken. Kontrollierte Studien zeigen, dass regelmäßige Saunagänger seltener an Erkältungen erkranken. Wer akut krank ist, Fieber hat oder unter einem aktiven Infekt leidet, sollte die Sauna meiden.

Schlaf: Der Abfall der Körperkerntemperatur nach dem Saunieren imitiert den natürlichen Temperaturabfall am Abend, der den Schlaf einleitet. Ein Saunagang zwei bis drei Stunden vor dem Zubettgehen scheint günstiger zu sein als einer unmittelbar davor.

Muskelregeneration: Die verbesserte Durchblutung beschleunigt den Abtransport von Laktat und anderen Stoffwechselprodukten aus der Muskulatur. Bei Muskelkater kann Wärme die Beschwerden lindern, ohne die Regeneration zu verzögern.

Was Anfänger beachten sollten

Vorbereitung: Trinken Sie vor dem Gang mindestens 0,5 l Wasser. Vermeiden Sie große Mahlzeiten in den zwei Stunden davor. Kurz kalt abduschen, bevor Sie die Kabine betreten, entfernt Hautfett und erleichtert das Schwitzen.

Dauer und Ablauf: Beginnen Sie mit 5 bis 8 Minuten und verlassen Sie die Kabine, wenn Ihnen schwindelig wird oder Sie sich unwohl fühlen – unabhängig davon, wie lange andere bleiben. Die Abkühlphase ist kein Anhängsel: Kaltes Wasser oder Außenluft trainieren die Gefäßreaktion und sind Teil des Reizes. Danach folgt eine Ruhepause von mindestens 10 Minuten, bevor ein zweiter Gang beginnt. Zwei bis drei Gänge pro Sitzung sind üblich.

Flüssigkeit nach der Sauna: Pro Gang verliert der Körper je nach Temperatur und Dauer zwischen 0,5 und 1 l Wasser. Wasser oder stark verdünnte Saftschorle gleichen den Verlust aus. Alkohol direkt vor oder nach der Sauna verstärkt die Dehydration und erhöht das Kreislaufrisiko.

Gegenanzeigen: Akuter Infekt, Fieber, stark ausgeprägte Krampfadern, schlecht eingestellter Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen und Schwangerschaft erfordern ärztliche Abklärung vor dem ersten Saunagang.

Häufige Fragen

Wie lange sollte man als Anfänger in der Sauna bleiben? +

Beginnen Sie mit 5 bis 8 Minuten pro Gang. Mit zunehmender Gewöhnung lässt sich die Dauer schrittweise auf 10 bis 15 Minuten steigern.

Wie oft sollte man saunieren, um Stress zu reduzieren? +

Ein bis zwei Saunagänge pro Woche reichen aus, um messbare Effekte auf den Cortisolspiegel zu erzielen. Der Effekt baut sich über mehrere Wochen auf.

Welcher Saunatyp ist für Einsteiger am besten geeignet? +

Infrarot- und Biosauna arbeiten bei 45 bis 60 °C und belasten den Kreislauf weniger als die finnische Sauna – ein sinnvoller Einstieg für Ungeübte.

Darf man nach dem Sport in die Sauna gehen? +

Ja, sofern Sie sich 20 bis 30 Minuten erholt und ausreichend getrunken haben. Die Wärme fördert die Durchblutung und kann Muskelkater lindern.

Wer sollte vor dem Saunieren einen Arzt fragen? +

Personen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, schlecht eingestelltem Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen oder in der Schwangerschaft sollten vor dem ersten Gang ärztlichen Rat einholen.