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Gesundheit · 6 Min Lesezeit

Kneipp nach der Sauna: Güsse, Wassertreten & Kneipp-Lehre

Wie Sie Kneipp-Anwendungen nach dem Saunagang richtig einsetzen: Knieguss, Armbad, Wassertreten, die fünf Kneipp-Elemente und die Geschichte der Kneipp'schen Stiftungen in Bad Wörishofen.

Kneippen und Saunieren gehören in Deutschland eng zusammen: In fast jeder öffentlichen Saunaanlage gibt es einen Kneippschlauch oder ein Becken zum Wassertreten, und viele Saunagänger kühlen sich ganz selbstverständlich nach Kneipp’schem Muster ab. Dieser Ratgeber zeigt, welche Anwendungen nach dem Saunagang sinnvoll sind, wie Sie sie richtig ausführen und woher die Methode stammt.

Wer war Sebastian Kneipp?

Sebastian Kneipp (1821-1897) war katholischer Pfarrer im schwäbischen Wörishofen. 1855 kam er als Beichtvater des Dominikanerinnenklosters in den Ort, 1881 wurde er Ortspfarrer. Schon vorher hatte er mit kaltem Wasser experimentiert und Kranke behandelt - zunächst in der Waschküche des Klosters, die über Jahre als Badehaus diente.

Aus dem Bauerndorf wurde innerhalb weniger Jahrzehnte ein Kurort, in den Zehntausende Menschen aus vielen Ländern reisten. 2015 wurde das „Kneippen als traditionelles Wissen und Praxis nach der Lehre Sebastian Kneipps“ in das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen.

Die Kneipp’schen Stiftungen in Bad Wörishofen

Kneipp gründete in Wörishofen mehrere Häuser, in denen seine Lehre praktiziert wurde. Unter dem Namen Kneipp’sche Stiftungen wurden sie von den Barmherzigen Brüdern der Bayerischen Ordensprovinz weitergeführt:

  • Kneippianum - das Kurhaus besteht seit 1896 und bot als Kurklinik bzw. Gesundheitshotel alle fünf Elemente der Kneipp’schen Lehre an: Wasseranwendungen, naturheilkundliche Medizin, Bewegung, Ernährung und Ordnungstherapie.
  • Sebastianeum - 1891 als Kurhaus für Priester gegründet, später Kneipp- und Gesundheitsresort; 2012 wurde ein Neubau eröffnet.
  • Familien- und KindHaus - 1893 von Kneipp als Kinderheilstätte gegründet, später ein Haus für Eltern-Kind-Kuren auf Basis der Kneipp’schen Gesundheitslehre.

Bad Wörishofen gilt bis heute als Ursprungsort des Kneippens. Wer Sauna und Kneipp im Original verbinden möchte, findet dort Kurhäuser, Hotels und eine Therme mit großem Saunabereich - einige Adressen stellen wir in unserem Überblick zu Wellnesshotels mit Sauna vor.

Die fünf Elemente der Kneipp-Lehre

Kneipps Ansatz ging weit über kaltes Wasser hinaus. Seine Lehre wird heute meist in fünf Elementen beschrieben:

  1. Wasser - Güsse, Bäder, Wickel und Wassertreten als Reiz für Kreislauf und Gefäße
  2. Bewegung - regelmäßige, maßvolle körperliche Aktivität
  3. Ernährung - einfache, vollwertige Kost
  4. Heilpflanzen - Kräuter als Tee, Badezusatz oder Auflage
  5. Lebensordnung - ein ausgewogener Rhythmus aus Anspannung und Erholung

Das regelmäßige Saunieren passt gleich in mehrere dieser Elemente: Wasser, Kräuter im Aufguss und ein fester Rhythmus aus Wärme, Kälte und Ruhe.

Kneipp-Anwendungen nach dem Saunagang

Nach der Sauna ist die Haut stark durchblutet, die Gefäße sind weit gestellt. Kneipp-Anwendungen setzen hier gezielt an. Grundregel aller Güsse: immer von herzfern nach herznah - rechts beginnen, außen hinauf, innen hinunter, dann links.

Knieguss und Schenkelguss

Der Knieguss ist der Klassiker im Saunabereich. Mit einem Schlauch ohne Brausekopf lassen Sie einen gleichmäßigen Wasserstrahl, der die Haut wie ein Mantel umhüllt, vom rechten Fußrücken an der Außenseite bis eine Handbreit über das Knie führen, kurz verweilen und an der Innenseite zurück. Dann folgt das linke Bein. Der Schenkelguss reicht bis zur Hüfte und ist etwas intensiver.

Armguss und Armbad

Arme in kaltes Wasser zu tauchen oder vom rechten Handrücken bis zur Schulter zu begießen, gilt als belebend und wird gern zwischen zwei Saunagängen eingesetzt. Wer zu Kreislaufschwankungen neigt, beginnt damit statt mit dem Ganzkörperguss.

Wassertreten

Im Kneippbecken, gefüllt bis knapp unter das Knie, gehen Sie im sogenannten Storchengang: Bei jedem Schritt wird ein Bein ganz aus dem Wasser gehoben. Nach 30 bis 60 Sekunden - spätestens wenn die Kälte unangenehm wird - verlassen Sie das Becken, streifen das Wasser nur ab und bewegen sich, bis die Füße wieder warm sind.

Der richtige Ablauf

Ein bewährter Ablauf nach Kneipp’schem Muster:

  1. Saunagang beenden und 1-2 Minuten an der frischen Luft atmen
  2. Knieguss oder Schenkelguss, danach Armguss
  3. Optional: kalte Dusche oder Tauchbecken, wie in unserem Ratgeber zur Abkühlung nach der Sauna beschrieben
  4. Warmes Fußbad oder warme Socken, dann mindestens 10 Minuten Ruhephase

Wichtig ist das Wiedererwärmen: Eine Kaltanwendung auf kalter Haut ist nach Kneipp ein Fehler. Füße und Hände sollten vor jedem Guss warm sein.

Was sagt die Wissenschaft?

Kurze Kältereize lösen eine messbare Gefäßreaktion aus: Die Blutgefäße ziehen sich zusammen und weiten sich danach wieder. Dieser Wechsel gilt als Training für die Gefäßelastizität und ist ein Grund, warum Heiß-kalt-Wechsel in der Sauna als kreislaufwirksam beschrieben wird. Studien zu Kneipp-Anwendungen zeigen Hinweise auf positive Effekte etwa auf das subjektive Wohlbefinden, die Schlafqualität und die Infektanfälligkeit; große, kontrollierte Langzeitstudien sind allerdings selten. Kneipp-Anwendungen ersetzen keine medizinische Behandlung.

Wann Sie auf Kneipp-Güsse verzichten sollten

Kaltwasseranwendungen sind für gesunde Erwachsene gut verträglich. Vorsicht ist geboten bei:

  • frierendem oder ausgekühltem Körper - erst aufwärmen
  • akuten Infekten mit Fieber sowie Blasen- und Nierenentzündungen
  • Durchblutungsstörungen der Beine (z. B. periphere arterielle Verschlusskrankheit)
  • schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen und unbehandeltem Bluthochdruck - mehr dazu in unserem Ratgeber Sauna und Bluthochdruck

Für Einsteiger gilt: lieber mit dem sanften Armguss oder kurzem Wassertreten beginnen und die Intensität über mehrere Saunabesuche steigern. Wie Sie sich darauf vorbereiten, lesen Sie im Ratgeber zur Vorbereitung auf die Kältephase.

Kneippen mit der Heimsauna

Wer eine eigene Sauna hat, kann Kneipp-Anwendungen besonders einfach einbauen. Ein Duschschlauch, von dem sich der Brausekopf abschrauben lässt, reicht für Knie- und Armgüsse; die Badewanne ersetzt das Kneippbecken. Planen Sie beim Bau einen Duschplatz direkt neben der Saunakabine ein, damit der Weg vom Saunagang zum Guss kurz bleibt - Hinweise dazu finden Sie in unserem Ratgeber zum Wasserschutz in der Heimsauna.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Kneippen und der normalen Abkühlung nach der Sauna? +

Bei der Abkühlung geht es darum, den Körper nach dem Saunagang schnell herunterzukühlen. Kneipp-Anwendungen setzen gezielte, kurze Kältereize an einzelnen Körperteilen - etwa als Knieguss oder Armbad - und folgen einer festen Reihenfolge von herzfern nach herznah. Beides lässt sich gut kombinieren.

Wie lange sollte ein Kneipp-Guss nach der Sauna dauern? +

Ein Knie- oder Schenkelguss dauert meist nur 20 bis 60 Sekunden. Maßgeblich ist nicht die Uhr, sondern das Körpergefühl: Sobald ein deutliches Kältegefühl einsetzt oder die Haut sich rötet, wird der Guss beendet.

Kann man Kneippen auch zu Hause machen? +

Ja. Für Güsse reicht ein Duschschlauch ohne Brausekopf, für Wassertreten die Badewanne, gefüllt bis etwa zur Wade mit kaltem Wasser. Eine Heimsauna mit Duschbereich eignet sich besonders gut, weil Saunagang und Guss direkt aufeinander folgen können.

Was waren die Kneipp'schen Stiftungen? +

Unter dem Namen Kneipp'sche Stiftungen wurden in Bad Wörishofen Einrichtungen geführt, die auf Sebastian Kneipp zurückgehen - darunter das Kurhaus Kneippianum (seit 1896), das Sebastianeum und das 1893 gegründete Familien- und KindHaus. Getragen wurden sie von den Barmherzigen Brüdern der Bayerischen Ordensprovinz.

Für wen sind Kneipp-Anwendungen nicht geeignet? +

Bei frierendem Körper, akuten Infekten mit Fieber, Blasen- oder Nierenentzündungen, Durchblutungsstörungen der Beine und schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen sollten Kaltwasseranwendungen nur nach ärztlicher Rücksprache erfolgen.